Der Bachgeist

Wo ober dem Dorf sich’s Tal verengt, wo der Bach sich zwischen die Felsen drängt, do haust der Bachgeist im stoanernen Haus, er sauft hint’n is Wasser, speibt’s vorn wieder aus.

Dann steigt ihm’s Wasser bis in die Aug’n, aber selbst dann tut er no auf ins schau’n, denn er isch a Geist, der is Wasser bricht, damit’s net in Kiens unt’n an Schad’n anricht’…
Und so isch’s gut, wenn der Geist dort drinn’ haust und wacht, dass der Bach net zu wild durch’s Dorf braust.
Josef Franz Mahlknecht

Von Kiens über Issing nach Mühlen führt ein steiler Weg durch das Grünbachtal hinauf zur Burg Schöneck. Entlang des Weges in einer Wasserschutzmauer wohnt der besungene Bachgeist. Die Menschen waren früher stark beeindruckt von der Macht des Wasserslaufes und einige, die sich auskennen, sind es auch heute noch: der Grünbach hat in der Vergangenheit wiederholt schwere Schäden im Ortskern von Kiens verursacht. 

Wasserschutzmauer in KiensNach den katastrophalen Überschwemmungen der Jahrhundertflut von 1882 bauten Pioniere der Wildbachverbauung die ersten Schutzstrukturen am Grünbach. Dies waren Trocken- und Bruchsteinmauern sowie Holzkrainerwände mit eingebauten lebenden Pflanzen, die das Gehölz nachhaltig stabilisieren.Ohne Bagger wurden tonnenschwere Steine händisch und mithilfe von Pferden im unwegsamen Gelände zwischen Issing und Kiens verkeilt. Viele dieser über 100 Jahre alten Sperren sind überwachsen, bilden aber bis heute das stabile Fundament, auf dem die Beton- und Zyklopensperren der Wildbachverbauung aufbauen.
Vor circa fünfzig Jahren wurde die massive Rückhaltemauer mit drei Löchern errichtet. Wie ein gigantisches Sieb staut sie das bedrohliche Material im dahinterliegenden Becken auf und lässt nur das reine Wasser kontrolliert nach Kiens abfließen.

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